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26. Februar 2014   Steuer

Aufwendige Quellensteuer

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Ausländische Dividendenperlen können für viel Freude im Depot sorgen. Die wird allerdings getrübt durch den Quellensteuer- und den Abgeltungssteuerabzug. Richtig ärgerlich wird es für Anleger bei den Modalitäten der Quellensteuerrückerstattung einiger Länder. Wer die „schwarzen Schafe“ kennt, kann sich viel Frust ersparen.

Vor allem im angloamerikanischen Raum ist die Ausschüttungspolitik oft großzügiger als hierzulande. Auslandstitel können Anlegern daher vielfach eine vergleichsweise hohe Dividende einbringen. Dividendenjäger sollte jedoch immer beachten, dass bei Auslandsinvestments die sogenannte Quellensteuer die Dividendenrendite schmälern kann. Zumindest vorübergehend, denn die Quellensteuer ist auf die deutsche Abgeltungssteuer teilweise anrechenbar und den Rest kann man sich in häufig aufwändigen Verfahren vom ausländischen Fiskus rückerstatten lassen. Theoretisch zumindest, was einige Länder angeht, dazu weiter unten mehr.

Was für eine Steuer?

Quellensteuer, das ist die Steuer, die von den Einkünften direkt an der Quelle abgezogen wird, also in dem Land, in dem die Einkünfte anfallen. Neben der ausländischen Quellensteuer unterliegt die Auslandsdividende außerdem noch der deutschen Abgeltungssteuer von 25 % auf Kapitalerträge, zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Die Dividende ausländischer Titel wird also zunächst doppelt besteuert. Das soll natürlich nicht sein.

Doppelbesteuerung vermeiden

Ist aber erstmal so. Denn das deutsche Steuerrecht legt das sogenannte Welteinkommensprinzip zugrunde. D. h. deutsche Anleger müssen auch die im Ausland erwirtschafteten Einkünfte in Deutschland versteuern. Um die doppelte Steuerbelastung (Quellensteuer im Ausland und Abgeltungssteuer im Inland) für den Anleger zu vermeiden und Auslandsinvestment attraktiver zu machen, hat die Bundesrepublik mit den meisten Ländern ein Doppelbesteuerungsabkommen geschlossen. Damit soll sichergestellt werden, dass Anleger in ausländische Dividendentitel keine höhere steuerliche Belastung auf die Ausschüttung haben als bei inländischen Dividenden. Das ganze nennt man dann das Wohnsitzlandprinzip und auch dieses ist Bestandteil des deutschen Steuerrechts.

Gemäß den Doppelbesteuerungsabkommen kann die ausländische Quellensteuer auf die deutsche Abgeltungssteuer angerechnet werden und zwar maximal bis zu einem Betrag von
15 %. Liegt der Quellensteuersatz unter 15 %, dann kann selbstverständlich nur der geringere Steuersatz auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden. Die Verrechnung nimmt in aller Regel die Depotbank automatisch vor. Anleger sollten dies aber immer auf ihrer Wertpapierabrechnung überprüfen. Liegt die ausländische Quellensteuer über 15 %, können sich Anleger den überschüssigen Steuerbetrag von der ausländischen Steuerbehörde zurückholen. Wie viel Aufwand dafür betrieben werden muss, ist von Land zu Land unterschiedlich.

Von Land zu Land und…
Besonders einfach haben es Anleger in Großbritannien. Auf der Insel gibt es nämlich keine Quellensteuer, somit fällt von vornherein kein lästiger Papierkram an. Einfach ist es auch in den USA, denn obwohl der Quellensteuersatz bei 30 % liegt, wird die Steuer bei deutschen Banken aufgrund einer Besonderheit von vornherein auf 15 % gesenkt und kann damit vollständig angerechnet werden. Einzige Voraussetzung dafür ist das US-Steuerformular W-8BEN, das Anleger ihrer Depotbank vor der Dividendenzahlung zukommen lassen müssen.

Keine Probleme gibt’s auch mit der Quellensteuer in den Niederlanden, Japan und auch Luxemburg. Denn dort beträgt die Steuer maximal 15 % und wird somit automatisch von der Depotbank mit der Abgeltungssteuer verrechnet. Eine Rückerstattung ist somit nicht erforderlich.

In der Schweiz und in Österreich liegt der Quellensteuersatz bei 35 % bzw. 25 % und damit über den anrechenbaren 15 %. Doch die Rückerstattung auf Antrag ist hier vergleichsweise unkompliziert.


Eine Vorabreduzierung des Quellsteuersatzes auf 15 % kann man per Antrag in Finnland, Schweden oder in Frankreich stellen.
Bei norwegischen Dividendentiteln gibt es kein automatisches Anrechnungsverfahren für die einbehaltene Quellensteuer. Allerdings erstattet der norwegische Fiskus auf Antrag die kompletten 25 % zurück. Dazu schickt man einfach ein formloses Schreibens mit beigefügter Kopie der Dividendenabrechnung und einer „Ansässigkeitsbescheinigung“ (gibt’s beim Bundeszentralamt für Steuern im Internet), die bestätigt, dass man in Deutschland Steuern zahlt, an die norwegische Erstattungsbehörde. Wer lieber das Anrechnungsverfahren wünscht, kann in Norwegen auch nur eine Erstattung von 10 % Quellensteuer beantragen und die restlichen 15 % über die Einkommensteuererklärung auf die Abgeltungssteuer anrechnen lassen.

Sehr, sehr viel Geduld brauchen Anleger bei der Korrespondenz mit spanischen und italienischen Steuerbehörden. In Italien kann man sich die nichtanrechenbaren 5 % Quellensteuer auf Antrag zurückerstatten lassen. Die italienische Bürokratie ist allerdings berüchtigt, sodass bis zur Rückerstattung schon mal Jahre vergehen können.
Auch in Spanien braucht man Geduld – schon allein für die 27-seitige Anleitung der spanischen Botschaft, wie man die Quellensteuerrückerstattung beantragen kann. Einkünfte aus Dividendenausschüttungen sind in Spanien bis 1.500 Euro pro Jahr steuerfrei. Das hört sich erstmal gut an, doch steuerfrei bedeutet in diesem Fall nur, dass die Quellensteuer bis zu dem Höchstbetrag zu 100 % auf Antrag erstattet wird. Denn der spanische Fiskus behält zunächst 21 % Quellensteuer ein, er kann ja nicht wissen, wie viel an Dividenden der einzelne Anleger über das Jahr gesehen kassiert. Also muss der deutsche Anleger nach Ablauf des Jahres, die einbehaltene Quellensteuer per Antrag zurückfordern. Das kann bis zu vier Jahre im Nachhinein gemacht werden. Eine Anrechnung auf die deutsche Abgeltungssteuer erfolgt hier nicht und erhaltende Dividendenzahlungen, die über dem Freibetrag liegen, muss der Anleger über die Steuererklärung selbst mit der Abgeltungssteuer verrechnen.

…von Bank zu Bank
Nicht nur bei den Ländern gibt es große Unterschiede bei der Quellensteuererstattung, auch beim Service der Depotbanken zur Rückerstattung gibt es keinen Standard. Teilweise können Anleger sich zurücklehnen und ihrer Bank eine Vollmacht zur Quellensteuerrückerstattung ausstellen. Möglich ist das beispielsweise bei Comdirect, der DAB Bank oder auch Maxblue. Weniger Service gibt es beispielsweise bei OnVista oder S Broker, hier wird die Unterstützung, so sie denn gewährt wird, im Zweifel teuer. Viele Banken verlangen übrigens einen Mindesterstattungsbetrag für die vom ausländischen Fiskus zurückgeforderte Steuer, damit sich der Aufwand lohnt. Dieser liegt je nach Bank zwischen 10 und 30 Euro nach Abzug der von der Bank erhobenen Erstattungsservicekosten.

Nichts entgehen lassen

Auch wenn die Rückerstattung oft Nerven kostet – Geld an den ausländischen Fiskus sollte man nicht verschenken. Schätzungen gehen davon aus, dass deutsche Anleger rund 700 Mio. Euro an Quellensteuer jährlich im Ausland liegen lassen. Schon gar nicht sollte man sich durch die Quellensteuer vor – mit Blick auf die Dividendenzahlung – lukrativen Auslandsinvestments abhalten lassen. Mit dem Wissen um die Erstattungsverfahren der unterschiedlichen Länder haben Anleger bereits vor dem Aktienkauf die Möglichkeit, ihre Investments etwas zu steuern.

Bedenken sollten Anleger auch, dass die Quellensteuer nur dann automatisch angerechnet werden kann, wenn auch tatsächlich Abgeltungssteuer vom deutschen Fiskus erhoben wird. Dies ist immer dann nicht der Fall, wenn für ein Depot bzw. Konto ein Freibetrag beantragt und dieser Betrag noch nicht ausgeschöpft wurde. Dann könnte die grundsätzlich anrechenbare Quellensteuer gerade nicht oder nicht vollständig angerechnet werden. Der Sparerfreibetrag beträgt derzeit 801 Euro bzw. 1.602 Euro für Verheiratete und kann auch verschiedenen Banken und Konten aufgeteilt werden. Je nach steuerlicher Situation kann es daher vorteilhaft sein, zwei Depots zu führen und ein Depot ohne Freibetrag auszustatten und in dieses dann nur die ausländischen Titel einzukaufen, bei denen der ausländische Fiskus Quellensteuer erhebt. Länder ohne Quellensteuerabzug sind beispielsweise Großbritannien oder Australien. Für eine steueroptimierte Depotaufteilung sollten sich Anleger ggf. an einen Steuerberater wenden.

 

Land Quellensteuersatz Anrechenbar auf deutsche Abgeltungssteuer Formulare
Großbritannien 0 % 0 % keine Quellensteuer
Japan 7 % 7 % wird automatisch angerechnet
Luxemburg 15 % 15 % wird automatisch angerechnet
Niederlande 15 % 15 % wird automatisch angerechnet
Italien 20 % 15 % Antrag auf Erstattung / Freistellung italienischer Abzugsteuer auf Dividenden
Frankreich 21 % 15 %
Spanien 21 % 0 % Anleitung zur Rückerstattung
Norwegen 25 % 0 % Allgemeine Infos über die norwegische Besteuerung von Dividenden
Österreich 25 % 15 %

 

Finnland

 

30 %

 

15 %

Schweden 30 % 15 % Claim for repayment of Swedish tax on dividends
USA 30 % 15 % Form W-8BEN (Certificate of Foreign Status of Beneficial Owner for United States Tax Withholding) - Freistellungsvordruck für reduzierte Quellensteuersätze nach DBA
Schweiz 35 % 15 % Antrag auf Rückerstattung der Verrechnungssteuer auf Dividenden und Zinsen

Quelle: www.bzst.de / Stand 21.2.2014

 

Weitere Formulare und teilweise Anleitungen zur Quellensteuerrückerstattung gibt es auf www.bzst.de

Carolyn Friesl / Harald Rotter, Redaktion AnlegerPlus