Wertpapier Banner2

11. Januar 2018   Wissen

Die wichtigsten Änderungen 2018

2018copy

„The same procedure as every year“, zum Jahreswechsel treten in Deutschland regelmäßig zahlreiche Änderungen u. a. in den Bereichen Steuern, Sozialabgaben und Bankgeschäften in Kraft. Wir fassen wichtige Neuregelungen dieses Jahres kurz für Sie zusammen.

Auch wenn bisher noch nicht entschieden ist, wie die künftige Regierung in Deutschland zusammengesetzt sein wird, gab es zum 1. Januar zahlreiche Änderungen die Steuerzahler, Sparer und Anleger betreffen. Denn in der vergangenen Legislaturperiode gab es viele Beschlüsse, die jetzt in Kraft treten – insbesondere steuerlicher Art.

Weniger Papierkram für Anleger
Fondssparer
müssen sich im Zuge der Investmentsteuerreform 2018 auf grundlegende Änderungen einstellen (siehe hierzu den ausführlichen Beitrag in der AnlegerPlus-Ausgabe 9/2017). Künftig wird bereits auf Fondsebene (auch bei ETFs) eine Körperschaftssteuer von 15 % auf inländische Erträge, also inländische Dividenden, sowie inländische Immobilienerträge (z. B. Mieten, Gewinne aus Veräußerung) erhoben. Die Folge: Beim Anleger kommt weniger aus diesen Erträgen an.

Für einen Ausgleich der vorgelagerten Besteuerung sollen auf Anlegerebene anschließend pauschale Teilfreistellungen sorgen und zwar sowohl für Ausschüttungen als auch für Veräußerungsgewinne beim späteren Verkauf der Anteile. Die Höhe der Teilfreistellung wiederum orientiert sich an der Fondsart (Aktienfonds 30 %, Mischfonds 15 %, Immofonds mit Schwerpunkt Inland 60 % und Immofonds mit Schwerpunkt Ausland 80 %). Die Entlastung durch die Teilfreistellung greift nicht, wenn der Anleger im Rahmen seines Freibetrags oder einer Nichtveranlagungsbescheinigung keine Steuern zahlt.

Neu ist künftig auch die jährliche Vorabpauschale, eine Art fiktive Steuer, die für alle thesaurierenden und teilausschüttenden Fonds eingeführt wird. Die Pauschale orientiert sich an der Wertentwicklung des Fonds und dem aktuellen Zinsniveau und soll nicht ausgeschüttete Erträge im Fonds zeitnah besteuern. Erhoben wird sie zu Beginn eines Jahres. Bei einer Veräußerung der Fondsanteile wird die Pauschale mit der fälligen Abgeltungssteuer verrechnet. Immerhin entfällt für Anleger in ausländische Fonds durch die Pauschale künftig die aufwendige Deklarierung der ausschüttungsgleichen Erträge in der Einkommenssteuererklärung. Die Vorabpauschale kann niemals negativ werden und sie kann maximal so hoch sein wie die tatsächliche Wertsteigerung eines Fonds. Und Achtung: Die Bank zieht die Vorabpauschale zum ersten Werktag des Folgejahres direkt vom Konto ein, der Anleger muss auf eine ausreichende Deckung achten.

Der Systemwechsel bei den Publikumsfonds beginnt damit, dass per 31.12.2017 grundsätzlich alle Fondsanteile als fiktiv veräußert gelten. Eine Besteuerung erfolgt aber erst später beim tatsächlichen Verkauf. Die Daten aus dem fiktiven Verkauf werden für die Systemumstellung benötigt und von der depotführenden Stelle gespeichert. Einschneidend ist dieses Datum auch für Fondsanleger mit Fondsanteilen, die vor 2009 erworben wurden und eigentlich „steuerfrei“ sind. Dieser Bestandsschutz endet nämlich mit dem fiktiven Verkauf. D. h., Wertsteigerungen ab dem 1.1.2018 sind auch für diese Altanteile steuerpflichtig. Um den „Wortbruch“ zu kaschieren, gewährt der Gesetzgeber jedoch einen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro pro Anleger für Gewinne ab Januar 2018 bis zu seinem kompletten Verbrauch – Verluste aus dem Verkauf von Altanteilen füllen ihn wieder auf. Unverändert bleibt der Sparer-Pauschbetrag von 801 Euro für Ledige bzw. 1.602 für Verheiratete, für den jedoch der Bank ein wirksamer Freistellungsauftrag vorliegen muss.

Interessant für Anleger dürfte auch die neue EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II sein, die ab Januar 2018 die Anlageberatung zu Wertpapieren und Vermögensverwaltung vereinheitlicht. Die sogenannte Geeignetheitserklärung ersetzt das bisherige Beratungsprotokoll und muss die explizite Begründung des Beraters für die Empfehlung eines bestimmten Produktes beinhalten. Die Kosten müssen im Detail aufgelistet werden, auch die Bestandsprovision des Beraters. Jede Kommunikation mit dem Kunden, sowohl elektronisch als auch telefonisch, wird künftig aufgezeichnet.

Veränderte Fristen und Vorgaben für Steuerzahler
Der steuerliche Grundfreibetrag, der zur Sicherung des Existenzminimums steuerfrei ist, wird ab dem Jahr 2018 um 180 Euro auf 9.000 Euro für Ledige und 18.000 für gemeinsam veranlagte Ehegatten erhöht. Der Spitzensteuersatz von 42 % greift bei Singles erst ab 54.950 Euro und verschiebt sich damit im Vergleich zum Vorjahr um 892 Euro nach oben.

Auch für Familien gibt es gute Nachrichten, das Kindergeld steigt um 2 Euro. Es beträgt dann für das erste und zweite Kind monatlich 194 Euro, für das dritte 200 Euro und ab dem vierten 225 Euro. Der Kinderfreibetrag steigt ab Januar um 72 Euro auf 4.788 Euro. Anlehnend an den Grundfreibetrag steigt auch der Unterhalthöchstbetrag ab 2018 auf 9.000, den der Unterhaltspflichtige maximal als außergewöhnliche Belastung absetzen kann.

Künftig gelten ebenfalls neue Regeln für die Frist der privaten Steuererklärung für Besteuerungszeiträume, die nach dem 31.12.2017 beginnen. Die Abgabe für die Steuererklärung 2018 verlängert sich somit um zwei Monate vom 31. Mai auf den 31. Juli 2019, bei steuerlicher Vertretung (durch einen Steuerberater oder einen Lohnsteuerhilfeverein) bis Ende Februar des Zweitfolgejahres, als den 29. Februar 2020. In diesem Zusammenhang warnt die Postbank: „Mit der Fristverlängerung erhöhen sich die Verspätungszuschläge. Deshalb sollte man den Abgabetermin nicht verpassen!“ Die Steuererklärung für 2017 muss noch zum alt bekannten Termin bis 31. Mai 2018 bzw. mit Steuerberater bis 31. Dezember 2018 eingereicht werden. Eine weitere Neuerung bei der Abgabe der Steuererklärung ist, dass Belege in Zukunft nur noch auf Anforderung an das Finanzamt geschickt werden müssen. Dafür müssen die entsprechenden Nachweise allerdings ein Jahr lang aufgehoben werden. Interessant ist ferner, dass seit 1.1.2018 mehr sogenannte geringwertige Wirtschaftsgüter für berufliche Zwecke (z. B. Computer oder Büromöbel) in voller Höhe absetzbar sind. Während dies bisher zu einem Bruttobetrag von bis zu 488 Euro möglich war, erhöht sich der Betrag künftig auf 952 Euro brutto. 

Steuervorteile erhalten auch Personen, die mit einer Rürup-Rente für ihr Alter vorsorgen. Einmal wächst der steuerlich absetzbare Anteil bei der Einzahlung der Beiträge zur Rürup-Rente 2018 um 2 Prozentpunkte auf 86 %, andererseits können insgesamt höhere Beiträge eingezahlt werden (Singles 23.808 Euro, Verheiratete 47.616 Euro), davon sind dann 20.475 Euro bzw. 40.950 Euro steuerlich absetzbar. Die Grundzulage bei der Riester-Rente steigt ab dem 1. Januar 2018 von 154 auf 175 Euro und außerdem müssen im Alter gesetzlich Versicherte keine Beiträge zu Kranken- und Pflegekasse für die betrieblichen Riester-Renten mehr zahlen. Und ganz allgemein zum Thema Rente: Der steuerpflichtige Rentenanteil bei Neurentnern steigt 2018 auf 76 %, bei Bestandsrentnern bleibt er bei 74 %. Der Altersentlastungsbetrag, der seit dem Inkrafttreten des Alterseinkünftegesetzes 2005 jährlich sinkt, verringert sich in diesem Jahr auf 912 Euro.

Anstieg der Beitragsbemessungsgrenzen
Im Bereich der Sozialabgaben kommen im neuen Jahr wie üblich ebenfalls zahlreiche Änderungen auf die deutschen Arbeitnehmer zu. Auch 2018 steigt wieder die Beitragsbemessungsgrenze, bis zu der Pflichtbeiträge für die Renten- und Arbeitslosenversicherung zu zahlen sind: in den alten Bundesländern von 6.350 Euro auf 6.500 Euro brutto im Monat und in den neuen Bundesländern von 5.700 Euro auf 5.800 Euro brutto. Damit zahlen Gutverdiener monatlich im Westen rund 14 Euro und im Osten 9 Euro mehr. Beschlossen ist allerdings auch eine Senkung des Beitrags zur Rentenversicherung um 0,1 Prozentpunkte auf 18,6 %. Die Renten sollen im Juli 2018 wieder deutlich steigen, Prognosen gehen von einem Plus von mehr als 3 % aus. Der offizielle Beschluss der Bundesregierung wird im Frühjahr 2018 festgelegt.

Bei den Abgaben für die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung wird die Beitragsbemessungsgrenze von 4.350 auf 4.425 Euro brutto pro Monat angehoben. Bis zu dieser Grenze fallen 14,6 % GKV-Beiträge an, die zur Hälfte vom Arbeitgeber und zur Hälfte vom Arbeitnehmer gezahlt werden müssen. Je nach Krankenkasse fallen noch Zusatzbeiträge von bis zu 1,5 % an, die voll vom Arbeitnehmer zu schultern sind. Der Wechsel in die private Krankenversicherung fällt in Zukunft schwerer, da die Versicherungspflichtgrenze um 150 Euro auf 4.950 Euro monatlich steigt. Bei Privatpatienten erhöht sich der maximale Arbeitgeberzuschuss zu den PKV-Beiträgen auf monatlich 323 Euro zuzüglich des Zuschusses zur Pflegeversicherung.

Zum 1. Januar 2018 trat außerdem das Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft (siehe hierzu auch AnlegerPlus, Ausgabe 9/2017). Es sieht unter anderem die Erhöhung des staatlichen Förderrahmens von 4 auf bis zu 8 % der Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Rentenversicherung vor (BBG), d. h. Arbeitnehmer können zukünftig einen höheren Anteil ihres Einkommens steuerfrei in eine Betriebsrente einzahlen. Frei von Sozialabgaben bleiben aber weiterhin nur 4 % der BBG. Für kleine und mittlere Unternehmen sollen Anreize geschaffen werden, die betriebliche Altersvorsorge ihrer Mitarbeiter zu unterstützen. Für Arbeitnehmer bis zu 2.200 Euro Gehalt im Monat kann der Arbeitgeber steuerlich gefördert einen Zuschuss von mindestens 240 Euro bis maximal 480 Euro im Jahr leisten. Dabei erhält der Betrieb 30 % des Arbeitgeberbeitrags, also maximal 144 Euro, über eine Verrechnung mit der abzuführenden Lohnsteuer sofort zurück.  Arbeitgeber können künftig im Rahmen einer tarifvertraglichen Regelung betriebliche Altersvorsorge im sog. Opting-out-Modell anbieten. Nach dem System des sogenannten „Opting-out“ nehmen alle Beschäftigten eines Unternehmens automatisch an der Betriebsrente teil, es sei denn sie widersprechen explizit.

Neue Richtlinie verändert Bankgeschäft
Die Neuerungen für Bankkunden schlechthin ist die PSD2-Richtlinie, die Drittanbietern wie Fintechs einen gesetzlichen Anspruch auf den Zugang zu den Kundenkonten und Daten der Bankkunden ermöglicht. Allerdings muss der Bankkunde die Erlaubnis für die Weitergabe der Daten explizit erteilen und die Banken dürfen die Informationen nur für den angefragten Zweck herausgeben.

Doch bis Regelungen zu den Drittanbietern und zur starken Authentifizierung verabschiedet sind, ist vor allem folgende Änderung positiv zu bewerten: Bei unautorisierten Banktransaktionen, z. B. bei einem Kreditkartenmissbrauch, wird die Haftung des Kunden von 150 Euro auf 50 Euro gesenkt. Ab dem 13. Januar 2018 gelten ferner neue EU-Regelungen im Zahlungsverkehr, die festlegen, dass Händler keine gesonderten Entgelte mehr für gängige Kartenzahlungen, SEPA-Überweisungen und Lastschriften in Euro erheben dürfen. Das betrifft sowohl Bezahlungen im stationären Handel als auch Online-Käufe. Im Übrigen sollen ab November 2018 nach den Vorgaben der EZB im Euroraum Überweisungen innerhalb von zehn Sekunden möglich sein.

 

Birgit Paintner, Redaktion AnlegerPlus



Diese Website verwendet Cookies. Mit der weiteren Nutzung dieser Website, akzeptieren Sie unsere Datenschutzerklärung und die Verwendung von Cookies und um Ihnen spezielle Services und personalisierte Inhalte bereitzustellen. Weiteres erfahren Sie unter der Rubrik Datenschutz.

X schließen