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5. September 2017   INVESTMENTFONDS

Fondsporträt: Meritum Capital Accumulator

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Die kleine inhabergeführte Investmentboutique Meritum Capital hat mit dem vermögensverwaltenden Accumulator nur ein Produkt im Angebot. So kann sich Fondsmanager Jan Meister seinem „Baby“ ganz intensiv widmen. Das macht er durchaus erfolgreich.

Kapitalanlage an den internationalen Wertpapiermärkten ist keine leichte Sache und stellt Anleger vor viele Fragen: Wie gewichte ich Aktien, Anleihen und Liquidität? Welche Regionen oder Branchen sind im Moment besonders lukrativ? Setze ich auf Einzeltitel, aktive Fonds, ETFs oder doch lieber auf Zertifikate?

Wer sich hier mit Antworten schwertut, findet vielleicht im Accumulator von Meritum Capital eine passende Lösung. Wir haben uns den Fonds für Sie genauer angesehen.

Fondsmanager

Gemanagt wird der vermögensverwaltende Fonds seit dessen Auflage von Jan Meister. Dieser begann seine Karriere bei der Deutschen Bank, wo er im institutionellen Aktiengeschäft auf Technologie- und US-Aktien spezialisiert war. Ab 2007 war er als Fondsmanager für verschiedene Multi-Asset-Dachfonds verantwortlich, um schließlich im Jahr 2011 die Gesellschaft Meritum Capital zu gründen. Meister verwaltet im Fonds auch einen großen Teil seines eigenen Vermögens.

Investmentphilosophie

Der Fonds verfolgt einen eher konservativen und vermögensverwaltenden Ansatz. Neben guten Erträgen steht der Kapitalerhalt innerhalb eines rollierenden Zweijahreszeitraums im Fokus. Um das zu erreichen, kann der Fondsmanager in einzelne Wertpapiere, ETFs, aktive Fonds oder auch Zertifikate investieren. Die maximale Aktien(fonds)quote liegt bei 55 %. In der Praxis variiert diese allerdings stark, der Fonds wird sehr flexibel verwaltet. Mehr zur Investmentphilosophie erfahren Sie im nachfolgenden Interview mit Jan Meister.

Ergebnisse und Kosten

Der Accumulator orientiert sich an keiner Benchmark-Rendite. In den letzten fünf Jahren (Auswertung von Anfang Juni 2012 bis Ende Mai 2017) erzielte der Fonds eine durchschnittliche Wertentwicklung von 5,25 % p. a. bei einer Volatilität von 6,3. Ein vergleichbarer Fondsklassiker wie der Carmignac Patrimoine, mit dem rund 1.000-fachen Fondsvermögen, kam im selben Zeitraum auf eine Rendite von 3,44 % p. a. bei einer Vola von 6,6.

Beim Thema Kosten zucken sensible Anleger beim Stichwort „Dachfonds“ zusammen. Durch die doppelte Managementebene (Fondsmanager des Dachfonds und der Zielfonds im Portfolio) sind diese Produkte häufig nicht gerade günstig. Mit in den Anlegerinformationen ausgewiesenen laufenden Kosten von 1,5 % p. a. hält sich der Accumulator hier allerdings erfreulich zurück. Auf eine zusätzliche performanceabhängige Vergütung wird verzichtet. Laut Meritum Capital hat man durch einen kürzlich vollzogenen Wechsel der Depotbank Kostenvorteile erzielen können. Zudem würden bei Anlagen in aktive Fonds fast ausnahmslos günstige institutionelle Anlageklassen erworben.

Aktuelle Positionierung

Die Aktienquote im Fonds liegt derzeit bei rund 37 %. Investiert wird dabei hauptsächlich in Europa, hier unter anderem auch mit einem ETF auf den EURO STOXXS Banks gezielt in den Bankensektor. Titel aus Schwellenländern sind mit fast 10 % ebenfalls relativ stark gewichtet. Schwellenländeranleihen sind im Rentenbereich sogar die größte Position. Sie werden hauptsächlich von Wandel- und Hochzinsanleihen ergänzt. Staatsanleihen befinden sich keine im Fonds und die Liquiditätsquote von aktuell 19 % soll Handlungsspielräume eröffnen, um günstige Gelegenheiten nutzen zu können.

Fazit

Der Accumulator bietet eine globale Vermögensverwaltung in einem Produkt. Die bisherigen Ergebnisse lassen sich insbesondere im Verhältnis zum Risiko des Fonds sehen. Den Vergleich mit renommierten Mitbewerbern braucht man bei Meritum Capital nicht zu scheuen. Trotz des eher überschaubaren Fondsvolumens bleiben die Kosten im Rahmen und durch das Dachfondskonzept ist eine ausreichende Risikostreuung gewährleistet. Ein Problem für Anleger könnte allerdings der Ausfall einer schwer zu ersetzenden Schlüsselperson wie Jan Meister sein.

Alexander Rabe
rabe-investmentberatung.de 

 

Fonds-Steckbrief

ISIN: LU0666992853
Volumen: 23 Mio. Euro
Kategorie: Misch-/Dachfonds
Art: ausschüttend
Auflage: 28.10.2011
Laufende Kosten: 1,50 %
Performance 2017:                    2,98 %
Performance 3 J. (p. a.):                   3,86 %
Performance 5 J. (p. a.):                   4,63 %
Web: meritumcapital.de

Stand: 5.9.2017 │ Quelle: Emittent, Morningstar.de

 

 

Interview mit Jan Meister, Fondsmanager des Meritum Capital Accumulator

AnlegerPlus: Herr Meister, was hat Sie 2011 dazu bewogen, mit dem Accumulator ein weiteres Produkt auf den umkämpften Fondsmarkt zu bringen?

Jan Meister: Bevor ich mich selbstständig machte, war ich ja schon einige Jahre als Fondsmanager in der Branche aktiv. Ein Fonds wie der Accumulator hat meiner Ansicht nach einfach noch gefehlt. Auch heute gibt es nur wenige vergleichbare Konzepte, die eine globale und flexible Vermögensverwaltung in einem Produkt bieten. Obwohl gerade das für viele Anleger eine passende und pflegeleichte Lösung darstellt.

Aber globale Mischfonds gibt es doch wie Sand am Meer. Was machen Sie denn anders als die Mitbewerber?

Da gibt es mehrere Punkte, die alle damit zusammenhängen, dass wir völlig frei von einer Benchmark agieren. Wir messen uns also nicht an einem Index, sondern wollen Anlegern eine möglichst gute Performance bei überschaubarem Risiko bieten. Dazu investieren wir nur in wertvolle Risiken, handeln antizyklisch und tragen unterschiedlichen Szenarien Rechnung.

Was bezeichnen Sie als wertvolle Risiken?

Sehen Sie das in Verbindung mit unserer antizyklischen Investmentphilosophie. Wir kaufen gerne dort, wo das Risiko in einem günstigen Verhältnis zu den Chancen steht. Sind die Bewertungen niedrig und die mögliche Prämie für das einzugehende Risiko hoch, steigen wir ein. Ist das in bestimmten Segmenten nicht der Fall, halten wir lieber Kasse und warten auf bessere Gelegenheiten.

Können Sie das an einem Beispiel festmachen?

Gerne. Als die Aktienmärkte in den ersten Monaten des Jahres 2015 extrem gut liefen, haben wir Gewinne mitgenommen. Bis Ende Mai wurde so die Aktienquote auf 32 % reduziert und die Liquidität auf 24 % hochgefahren. Das hat uns ermöglicht, bei den anschließenden Kursrückgängen wieder günstig nachzukaufen. Ende Februar 2016 – bei deutlich niedrigeren Aktienkursen – betrug die Aktienquote dann 41 %. Weil wir auch Hochzinsanleihen aufstockten, hatten wir damals nur noch 3 % Liquidität.

Gehört da nicht auch ein wenig Glück dazu, die Märkte so zu timen?

Eine ganz wichtige Frage, denn wir legen Wert darauf, strategische Investoren zu sein und kein Market-Timing zu betreiben! Wir arbeiten nicht mit irgendwelchen Signalen, die uns sagen, was wir zu tun haben, und legen dann den Schalter auf mehr oder weniger Risiko um. Wenn wir beobachten, dass sich durch steigende Bewertungen das Chance Risiko-Verhältnis einer Position verschlechtert, bauen wir diese nicht auf einen Schlag, sondern nur schrittweise immer weiter ab. Wir versuchen also gar nicht erst, alles zum optimalen Zeitpunkt zu handeln – was wirklich mit Glück zu tun hätte. Dafür liegen wir in der Tendenz meist richtig und – was viel wichtiger ist – vor allem nie komplett daneben.

Im Moment liegt die Liquiditätsquote im Fonds wieder bei recht hohen 19 %. Erwarten Sie einen stärkeren Rückgang an den Märkten?

Wir sind wie gesagt keine Market-Timer. Mittelfristig sehen wir die Aktienmärkte durchaus noch positiv. Aufgrund der Bewertungen sind wir nur gering in US-Werten engagiert und konzentrieren uns mehr auf Europa und die Schwellenländer. Im Rentenbereich gibt es ein wichtiges Segment, bei dem das Chance-Risiko-Verhältnis absolut nicht mehr stimmt: Wir haben keine Staatsanleihen im Fondsportfolio.

Sie sprachen vorhin auch von unterschiedlichen Szenarien, die Sie bei Ihrer Arbeit berücksichtigen. Können Sie das genauer erklären?

Bleiben die Zinsen weiter niedrig oder ziehen sie vielleicht deutlich an? Wächst die Wirtschaft weiter oder kühlt sich die Konjunktur ab? Wird Inflation wieder ein Thema? Da wir die Zukunft nicht kennen, bietet sich das Denken in Szenarien an. Wir überlegen uns, welche Unternehmen, Branchen oder Anlageklassen Profiteure oder Verlierer im jeweiligen Szenario sind und wie wahrscheinlich ein solches Szenario ist. Dies bilden wir anschließend auch komplett so im Fonds ab. Natürlich gewichten wir unser Hauptszenario am stärksten, setzen aber nie alles auf eine Karte und kalkulieren daher auch mit davon abweichenden Entwicklungen.

Und wie sieht Ihr Hauptszenario aktuell aus?

Wir gehen mittelfristig von einem weiterhin moderaten Wirtschaftswachstum aus, sehen aber auch stärker steigende Zinsen und Inflationsraten, als derzeit vom Markt erwartet wird. Das würde die ohnehin schon teuren Dividendentitel unattraktiver machen. Profiteure wären günstige Value-Aktien und zyklische Werte, insbesondere Small und Mid Caps. Durch steigende Zinsen dürften sich die Margen von Banken und Versicherungen wieder verbessern.

Alexander Rabe
rabe-investmentberatung.de

Der Beitrag ist erschienen in AnlegerPlus 6/2017 (ET: 1.7.2017; RS: 20.6.2017).




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