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30. August 2017   Geldanlage

Generationsübergreifend anlegen

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Wie soll das eigene Vermögen nach dem Renteneintritt angelegt werden? Mit welchem Anlagehorizont soll man planen, welche Kostenpositionen müssen berücksichtigt werden? Eines ist sicher, kurzfristige Geldanlagen machen im Moment keine Freude und schlimmer noch, man verschenkt viel Geld. Wenn der letzte Lebensabschnitt hoffentlich recht lange dauert und wenn man schon heute an die nächste Generation denkt, dann ist die langfristige Geldanlage immer noch erste Wahl.

Anleger im gehobenen Alter sehen sich immer wieder mit denselben Fragestellung konfrontiert: Wie langfristig kann ich mein Geld anlegen? Wie liquide sind meine Vermögenspositionen und welchen Risiken unterliegen sie? Schließlich fehlt möglicherweise die Zeit, Verluste auszusitzen. Oder das Kapital wird für den eigenen Ruhestand oder die medizinische Versorgung dringend benötigt. In den guten alten, längst vergangenen Zeiten wurden die unterschiedlichen Problemstellungen sehr häufig mit Tagesgeld- oder Festgeldkonten gelöst – heute bieten die Lösungen von einst aufgrund der Minizinsen häufig keine geeignete Alternative mehr.

Besonders dann nicht, wenn der Ruheständler prinzipiell gut versorgt ist und sein Geld nicht mehr verleben, sondern an die nächste oder übernächste Generation übergeben möchte. Genau an diese Gruppe und dieses Vermögen wendet sich dieser kurze Beitrag. In der Praxis muss leider sehr oft beobachtet werden, dass auch dieses Vermögen kurzfristig angelegt und unverzinst auf Sparbüchern und Tagesgeldkonten versauert. Dabei gibt es renditestärkere Alternativen.

 

Eigene Lage prüfen

Wie bei jedem Investitionsprozess muss zu Beginn eine Bestandsaufnahme bewältigt werden. Zuerst sollten die Alterseinkünfte den Ausgaben gegenüber gestellt werden. Idealerweise errechnet sich aus dieser Gegenüberstellung ein Überschuss. Von diesem Überschuss behält man sich ausreichende Rücklagen ein, um später gegebenenfalls notwendige Pflegeaufwendungen bezahlen zu können. Für vorhersehbare Ausgaben wie Reisen und zusätzlich für ungeplante Notfälle sollte ebenfalls Geld auf die hohe Kante gelegt werden. Wie viel jeweils als finanzielles Polster notwendig ist, hängt vom eigenen Lebensstil und dem Qualitätsanspruch an die Pflegeversorgung ab.

Bleibt dann per Saldo immer noch frei verfügbares Vermögen, kann der Ruheständler auch schon mal an die nächste Generation denken. Beispielsweise besteht die Option, das Vermögen teilweise sofort an die Nachkommen zu übergeben. Das kann einmal aufgrund von Freibeträgen Sinn machen (hierbei werden Schenkungen und Erbmasse an ein und dieselbe Person innerhalb von zehn Jahren zusammen betrachtet). Und der Erbe kann mit dem Geld selbst auf die eigene Situation zugeschnitten investieren.

Wenn das Vermögen so groß ist, dass der spätere Erbe wahrscheinlich Erbschaftssteuer zahlen muss, sollte auch hierfür ausreichend Geld liquide gehalten werden. Denn das Finanzamt verlangt die Steuer zeitnah und nimmt keine Rücksicht auf Gewinn- oder Verlustsituationen in vererbten Anlagen. Um hinsichtlich der Freibeträge und der möglicherweise anfallenden Erbschaftssteuer die optimale Strategie zu wählen, sollte ggf. ein Steuerberater zu Rate gezogen werden.

Falls Vorbehalte bestehen, Teile des Vermögens sofort auf die späteren Erben zu übertragen, kann das Sparvermögen alternativ im eigenen Depot längerfristig angelegt werden. Denn im Fall der Fälle ist der Erbe keinesfalls gezwungen, die Anlagen trotz einer möglicherweise ungünstigen Kapitalmarktsituation aufzulösen, sondern er kann sie in der Regel übernehmen und weiter halten. Mit dieser Sichtweise verlängert sich der Anlagehorizont schon wieder um Jahrzehnte. Wichtig ist es aber, Anlagen zu wählen, die im Notfall vergleichsweise einfach liquidierbar sind. Auf geschlossenen Beteiligungen sollte man daher eher verzichten und auch Sparbriefe stellen nicht die ideale Anlageform dar. Ganz grundsätzlich gilt bei Anlagen immer, auf die Diversifikation und unnötige Risiken zu achten.

 

Erben mit ins Boot holen

Selbst wenn der Ruheständler sich dazu entschlossen hat, sein Vermögen zunächst nicht auf die Erben zu übertragen, kann es trotzdem Sinn machen, diese bei der Anlageplanung mit ins Boot zu nehmen. Denn wenn der Anlagehorizont über das eigene Ableben hinaus geplant wird, dann muss die Bestandsaufnahme, die ja zu Beginn des Investmentprozesses steht, auch die potenziellen Erben miteinschließen. Zum Beispiel sollten mit den Erben Fragen geklärt werden wie: gibt es laufende Kreditverträge, wann laufen diese aus, stehen größere Investitionen an? Auch die Risikobereitschaft kann abgefragt werden, damit die Erben später keine Anlagen übernehmen müssen, die bei ihnen für Unbehagen sorgen – Wertpapieranlagen sind leider nicht für jedermann geeignet.

Um die spätere Vermögensübergabe noch professioneller zu gestalten, können zusätzlich die bestehenden Vermögenswerte der Erben in die Vermögensaufteilung miteinbezogen werden. Somit kann vermieden werden, dass über die vererbten Anlagen Klumpenrisiken entstehen. Ergeben sich bei mehreren Erben unterschiedliche Konstellationen, können für jeden Erben eigene Konzepte entworfen werden.

Neben den anlagetechnischen Vorteilen birgt dieses Vorgehen übrigens zusätzliche Vorteile für die nächste Generation. Sie erhält somit nämlich Einblick in zukünftig zu erbenden Größenordnungen. Dadurch können sie selbst optimiert und sorgenfreier planen.

 

Wertzuwachs vererben

Kommen wir nochmal zurück auf den Beginn unseres Beitrags. Die Frage, die sich jedem Ruheständler hinsichtlich seiner Geldanlage stellt, ist, welchen Anlagehorizont soll ich einplanen. Wer hier nicht weitsichtig genug kalkuliert und kurzfristig investiert, dem können Inflation und Zinseszins die Rendite gehörig verhageln. Schließlich ist ein Zeithorizont von 20 Jahren für den letzten Lebensabschnitt alles andere als unrealistisch. Je länger aber der Zeithorizont ist und je kurzfristiger die Anlageform, umso größer ist der entgangene Gewinn. Ein einfaches Rechenbeispiel soll dies abschließend untermauern, wobei wir steuerliche Fragestellungen ausblenden möchten:

 

Anlagekapital 100.000 Euro

Laufzeit 20 Jahre

Angenommener Zins Sparbuch / Tagesgeld: 0,5 % – Anlageergebnis: 111.040 Euro

Angenommene Wertentwicklung ausgewogener Mischfonds: 3 % – Anlageergebnis: 186.014 Euro

Differenz: 74.974 Euro

 

Am Ende hätte der Ruheständler sich und seinen Erben mit einer Strategie, das Geld ausschließlich sicher aber kurzfristig anzulegen, also keinen Gefallen getan. Dagegen ist ein Investment in einen ausgewogenen Mischfonds, sei es auf ETF Basis oder aktiv gemanagt, kein sehr spekulatives Investment. Aber egal für welche Anlageform Sie sich entscheiden, ob Sie Ihr Vermögen vorab oder erst nach dem Ableben verschenken oder vererben – beziehen Sie die Folgegeneration in Ihre Gedankenspiele mit ein. Das erleichtert vielleicht die Entscheidung und verschafft ein gutes Gefühl.

Christoph Richter