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11. Dezember 2017   MODE-ANLEIHEN

Haute Couture im Tal der Tränen

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Das Schwarzbuch Börse der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. berichtet schon seit mehreren Jahren über zahlreichen Ausfälle bei den sogenannten Mittelstandsanleihen. Darunter befinden sich auch einige „Modeanleihen“ (siehe auch Schwarzbuch Börse 2018).  Doch es gibt noch Emittenten, deren Geschäfte von der Kapitalspritze der Anleihegläubiger profitiert haben: Das Aushängeschild ist Seidensticker.

Mit René Lezard ging 2017 bereits der sechste Emittent aus der Textilbranche insolvent. Besser stellt sich die wirtschaftliche Lage bei den übrigen Modefirmen mit einem Mini-Bond dar. Dem Hemden- und Blusenfabrikanten Eterna gelang im März 2017 sogar, eine neue Anleihe mit einem Volumen von 25 Mio. Euro zu platzieren und sich dadurch noch ein Schuldscheindarlehen von 33 Mio. Euro zu sichern. Allerdings ist der Umsatz seit 2011 nur um 5,3 % gestiegen. Und der operative Gewinn hat sich noch nicht entscheidend verbessert, unter dem Strich schreibt Eterna weiterhin rote Zahlen. Aus diesem Grund fehlt es dem Hemdenproduzenten aus Niederbayern auch an Eigenkapital. Deswegen muss Großaktionär Quadriga immer wieder mit Nachrangdarlehen aushelfen.

Peine: großzügiger Hauptinvestor
Der Rückhalt seines Hauptgesellschafters ist für den Herrenausstatter Peine ebenfalls überlebensnotwendig. Laut letztem Geschäftsbericht von 2014 brach der Umsatz um rund 60 % ein, der Verlust stieg um 85 %. Die Eigenkapitalquote lag bei minus 52 %. Der schlechte Geschäftsverlauf machte Kunden und Lieferanten misstrauisch. Ende 2013 konnte die Pleite nur durch Darlehen und günstigere Waren des chinesischen Hauptgesellschafter Schandong Ruyi abgewendet werden. Daraufhin soll sich die Lage in den vergangenen beiden Jahren gebessert haben.

Auch der Modehändler Hallhuber kann sich seinen Expansionskurs jetzt von einem finanzstarken Partner bezahlen lassen. Nach der Übernahme durch die börsennotierte GERRY WEBER AG aus Halle wurde jedoch der ausgegebene Mini-Bond zwei Jahre früher als geplant gekündigt. Dem neuen Eigentümer war er schlicht zu teuer.

Seidensticker: erfolgreiches Markenkonzept
Am besten präsentiert sich derzeit der Hemdenhersteller Seidensticker. Im Geschäftsjahr 2016/17 setzte er seine profitable Entwicklung fort. Zwar stagnierte der Umsatz bei 203 Mio. Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) stieg aber kräftig um 25,5 % auf 11,1. Mio. Euro. Unterm Strich legte das Ergebnis von 4,2 Mio. auf 4,3 Mio. Euro zu. Der Bielefelder Textilhersteller hatte zuletzt seine Traditionsmarke aufgefrischt und sich auf die Eigenmarken Seidensticker und Jacques Britt sowie das Lizenzgeschäft für Camel Active konzentriert. Künftig will er sich noch mehr als hochwertige Hemden- und Blusenmarke im europäischen Modemarkt positionieren. Dazu wurde die Marke erstmals seit 50 Jahren wieder im Fernsehen beworben. In der Erfolgsspur befindet sich zudem der Internet-Handel: Er wuchs im Geschäftsjahr 2016/17 um 14 %.

Abschied vom Mini-Bond-Markt
Nicht zuletzt wegen der guten Geschäftszahlen sicherte Seidensticker bereits die fristgerechte Rückzahlung seiner Anleihe über 30 Mio. Euro zu, die am 12. März 2018 fällig wird. Sie soll mit Krediten eines Bankenkonsortiums und Genussrechtskapital abgelöst werden. Damit entschied sich das Management bewusst gegen die Ausgabe einer neuen Anleihe. Mit dem neuen Refinanzierungsmodell können zudem die Finanzverbindlichkeiten um etwa 30 % reduziert werden.

Von den Modefirmen ist es außer Eterna bisher nur Golfino gelungen, eine Refinanzierung seiner Anleihe zu stemmen. Der Anbieter von Golfbekleidung erreichte im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2016/17 mit 14,8 Mio. Euro etwa den Umsatz vom Vorjahr (14,9 Mio. Euro). Die stabile Umsatzentwicklung resultierte aus gestiegenen Verkäufen des Online-Handels, wodurch leichte Umsatzrückgänge im Outlet-Bereich ausgeglichen wurden. Im Gesamtjahr 2016/17 peilt CEO Bernd Kirsten ein einstelliges Umsatzwachstum an. Da allerdings mehr Personal eingestellt wurde, stieg der Verlust vor Steuern (EBT) von minus 1,3 Mio. auf minus 1,6 Mio. Euro leicht an. Wegen der ordentlichen Zahlen konnte die neue Anleihe von 4 Mio. Euro voll platziert werden. Die nächsten Jahre soll zudem ein Konsortialkredit von 18. Mio. Euro absichern.

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus



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