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10. August 2017   Wissen

Kosten fressen Rendite – Sparoptionen für Anleger

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Mit Aktien und Fonds lassen sich ordentliche Renditen erzielen. Doch wie wir wissen, umsonst ist nicht einmal der Tod. Auch beim Wertpapierkauf fallen unterschiedliche Kostenpositionen an, die jede noch so ansehnliche Rendite deutlich schmälern können. Wir nennen Ihnen einige Möglichkeiten, wie Sie kräftig an den Gebühren sparen können. 

Die Kosten beim Aktien- oder Fondskauf sind nicht zu unterschätzen. Kaufen Sie beispielsweise bei einer Filialbank einen aktiv gemanagten Investmentfonds für 5.000 Euro, zahlen Sie in der Regel bis zu 5 % Ausgabeaufschlag, im ungünstigsten Fall somit 250 Euro. Dieser Betrag wird Ihnen nicht direkt in Rechnung gestellt, sondern über den Kaufpreis abgerechnet. Sie erhalten also im Gegenwert von 250 Euro weniger Anteile an dem Fonds, den Sie sich ausgesucht haben und investieren eigentlich nur 4.750 Euro.

Nehmen wir nun an, Sie lassen das Geld 30 Jahre für sich am Kapitalmarkt arbeiten und erzielen im Durchschnitt eine jährliche Rendite von 6 %. Dann hätten Sie bei einem Anlagebetrag von 5.000 Euro am Ende ein Vermögen von rund 28.700 Euro angespart. Werden dagegen nur 4.750 Euro angelegt, ergibt sich ein Endvermögen von ca. 27.300 Euro. 1.400 Euro weniger, 30 % der investieren Summe, eine Menge Holz.

Und das war ja noch nicht alles. Hinzu kommen noch Managementgebühren von jährlich etwa 0,5 bis 2,5 % (diese werden für Sie unmerklich am Jahresende einfach aus dem Fondsvermögen entnommen) sowie evtl. Depotgebühren 25 Euro oder mehr pro Jahr. Und so ist man nach zehn Jahre schnell mal über 1.000 Euro an Gebühren los, die die Rendite nochmals schmälern. Hier nun Tipps, wie Sie ganz nach dem Grundsatz „im Einkauf liegt der Gewinn“ Kosten sparen können:

 

1. Kaufen Sie Fonds direkt über die Börse

Die meisten Fonds können Sie statt über die Fondsgesellschaft direkt über die Börse kaufen, dazu müssen Sie nicht Kunde einer Direktbank sein. Selbst bei einer Filialbank wird Ihr Wertpapiergeschäft dadurch sofort deutlich günstiger. Kaufen Sie einen Fonds für 5.000 Euro an der Börse, kostet das zum Beispiel bei der Stadtsparkasse München nur noch 30,50 Euro, wenn Sie den Auftrag telefonisch erteilen, und 27,50 Euro bei einer Online-Order (was im Vergleich immer noch „sau“ teuer ist). Hinzu kommen noch die Börsenspesen von einigen Euro.

Dadurch haben Sie sich aber dann den Ausgabeaufschlag gespart, den größten Renditefresser zu Beginn. In Zahlen bedeutet dies, sie haben beim Kauf auf den Schlag über 200 Euro gespart. Und wenn wir beim Eingangsbeispiel bleiben, erhalten Sie beim Kauf über die Börse und der unterstellten jährlichen Zielrendite nach 30 Jahren in etwa 28.400 Euro ausbezahlt, 1.000 Euro mehr gegenüber dem Kauf über die Fondsgesellschaft mit Ausgabeaufschlag.

 

2. Wechseln Sie zu einer Direktbank

Bei Direktbanken, also Banken ohne Filialbetrieb, bei der Sie Ihre Bankgeschäfte nur online oder telefonisch abwickeln können, kostet der Fondskauf im Wert von 5.000 Euro oft nur eine pauschale Gebühr von etwa zehn Euro plus Börsenspesen. Wird der Fonds im Direkthandel der Bank angeboten, fallen die Börsenspesen weg. Auch die Verwahrung im Depot ist bei vielen Direktanken kostenlos, wobei die Niedrigzinsphase die eine oder andere Online-Bank an der Gebührenschraube drehen lässt. Aber wenn Sie eine Direktbank finden, die keine Depotgebühren verlangt, dann haben Sie sie in zehn Jahren gleich nochmal 250 Euro oder mehr an Depotgebühren gespart. Zusammen mit dem Ausgabeaufschlag sind wir nun schon bei über 500 Euro Ersparnis, den Renditeabschlag nicht mit eingerechnet.

 

3. Lieber einmal klotzen als öfters kleckern

Vorne weg: Wir wollen in diesem Beitrag nicht über die Vor- und Nachteile von Sparplänen sprechen. Diese können in jedem Fall sinnvoll sein für Anleger, die monatlich nur geringe Beträge investieren können und möchten.

Wir sprechen mit diesem Spartipp gezielt die Anleger an, die jährlich mehrfach Wertpapiere in kleineren Tranchen außerhalb eines Sparplans kaufen. Wenn möglich sollte man kleinere Tranchen zu einer größeren Transaktion zusammenfassen. Denn bei Kauf werden in aller Regel Order-Mindestgebühren (Provisionen) fällig. Das bedeutet, egal wie hoch der Auftragswert ist, Sie müssen mindestens den Betrag X an Ordergebühren an die Bank bezahlen. Je höher der Transaktionswert ist, um so geringer fallen die Ordergebühren ins Gewicht. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass das Investment schneller im Plus ist. Ein Beispiel hierzu: Sie kaufen für 3.000 Euro BMW-Aktien und müssen dafür die Mindestgebühr von 10 Euro bezahlen. Das entspricht 0,33 % des Auftragswertes. Hätten Sie nur für 1.000 Euro BMW-Aktien gekauft, hätten die Mindestordergebühren 1 % des Kaufpreises ausgemacht. Die Ordergebühren wiederum muss der Kurs erst wettmachen, damit das Investment nach Kosten im Plus steht und 0,33 % sind schneller aufgeholt als 1 %.

Apropos Provisionen. Auch hier können Filialbanken nicht mit den Konditionen der Direktbanken mithalten. Die Mindestgebühren bzw. die vom Kurswert abhängigen Provisionen liegen bei Direktbanken oftmals deutlich unter denen der Filialbanken. Legen Sie z. B. im Jahr fünfmal 10.000 Euro an, fallen hierfür bei der Onvista Bank beispielsweise jedes Mal nur 5 Euro plus Börsenspesen an. Dagegen können bei Filialbanken die Kosten für die gleiche Order schnell auf über 400 Euro steigen. Doch diese günstigeren Konditionen haben natürlich ebenfalls ihren Preis. So stehen Ihnen keine Filialen zur Verfügung, in denen Sie sich vor Ort beraten lassen können. Hier muss jeder Anleger selbst entscheiden, welche Serviceleistung er benötigt und welche nicht.

 

4. Börsenspesen reduzieren

Neben den Orderprovisionen der Banken fallen bei einer Wertpapiertransaktion noch sogenannte börsenplatzabhängige Entgelte an. Diese sind je nach gewähltem Börsenplatz unterschiedlich und richten sich ebenfalls nach dem Transaktionsvolumen bzw. fallen in einer Mindesthöhe an. Z. B. beträgt das börsenplatzabhängige Entgelt beim Handel über Xetra 0,0015 %, mind. 1,50 Euro.

Bei vielen Online-Banken lassen sich diese Gebühren im Direkthandel vermeiden. Ein weiterer Vorteil des Direkthandels ist, Sie wissen sofort, ob Ihre Transaktion durchgeführt wurde. Aber hier gilt ebenfalls, umsonst ist dieser Service nicht, denn die Kauf- bzw. Verkaufskurse im Direkthandel sind häufig etwas ungünstiger als beim Handel über die Börse. Und was ist jetzt eigentlich dieser Direkthandel? Beim Direkthandel läuft die Transaktion nicht über einen Börsenplatz sondern sie wird außerbörslich über Handelspartner der Depotbank abgewickelt.

 

5. Teilausführungen vermeiden

Immer wieder ein Ärgernis für Anleger sind sogenannte Teilausführungen. Wer häufiger an der Börse handelt und möglicherweise bevorzugt über den elektronischen Handelsplatz Xetra, der wird schon einmal Erfahrungen mit Teilausführungen gemacht haben. Eine Teilausführung liegt vor, wenn die Börsenorder in mehreren Teilaufträgen abgewickelt wird. Der ein oder andere Broker berechnet seinen Kunden dann für jede dieser Teilausführungen die vollen Transaktionsgebühren und das, obwohl die Börsen in aller Regel nur eine Handelsgebühr pro Auftrag und nicht pro Teilausführungen in Rechnung stellen.

Was bleibt ist nur, die Preis- und Leistungsverzeichnisse der Banken zu durchforsten und sich einen Überblick über die Abrechnung sogenannter Teilausführungen zu verschaffen. Ggf. sollte man bei den Häusern nachfragen, wenn man entsprechende Informationen nicht ausfindig machen kann. Manche Direktbanken wie die ING-Diba garantieren Anlegern, dass sie bei Teilausführungen nicht mehr zahlen. Und wenn Sie dann schon mal dabei sind, schauen Sie in den Preisverzeichnissen doch gleich nach, ob und wenn ja welche Kosten z. B. für Limitaufträge oder Limitstreichungen anfallen. Diese Instrumente werden von Banken gerne ebenfalls mit einer Gebühr belegt. Aber eben nicht von allen.

 

6. Wechsel der Depotbank

Unser sechster und letzter Tipp klang in den zuvor genannten Sparmöglichkeiten immer wieder an: der Wechsel der Depotbank. Letztlich wird es nicht den Broker oder die Depotbank geben, die in allen Punkten alle anderen Konkurrenten aussticht. Es sollte auch nicht der Preis alleine sein, der den Ausschlag für oder gegen eine Depotbank gibt. Vielmehr müssen Leistung und Service zu Ihren Bedürfnissen passen. Unter den Depotbanken, die diesen Ansprüchen genügen, sollte dann die preiswerteste Alternative gewählt werden. Und wenn diese Alternative einen Wechsel der Depotbank erfordert? Kein Problem, Direktbanken z B. kümmern sich nach der Depoteröffnung um die Abwicklung des Depotübertrags. Weiterer Vorteil für Anleger: 2004 urteilte der Bundesgerichtshof, dass der Depotwechsel immer kostenlos erfolgen muss.

Thomas Müncher / Redaktion AnlegerPlus



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