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18. September 2012   Wirtschaft

Nichts überstürzen

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Eine politisch erzwungene Frauenquote kann sich negativ auf die betroffenen Unternehmen auswirken. Das ergab zumindest eine amerikanische Studie über die Einführung einer Frauenquote in Norwegen.

Dieses Jahr im Herbst will EU-Justizkommissarin Vivian Reding eine Richtlinie präsentieren, die bis Anfang 2020 vorsieht, dass alle börsennotierten Unternehmen mindestens 40 % Frauen in ihren Aufsichtsräten haben sollen. Um diese Richtlinie zu erfüllen, müsste Deutschland seine Quote in gut sieben Jahren verdoppeln. Einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zufolge ist die EU-Kommissarin der Ansicht, dass es nicht nur gesellschaftlich, sondern auch ökonomisch geboten sei, die Frauenquote zu erhöhen. Dabei verweist Vivian Reding auf McKinsey-Studien, laut denen sich Aktienkurse von Unternehmen mit gemischten Entscheidungsteams deutlich besser als die anderer Firmen entwickelt haben.

Ein gegenteiliges Bild gibt laut FAZ die Studie „The Changing of the Boards“ der amerikanischen Ökonomen Kenneth Ahern und Amy Dittmar. Gegenstand der Studie ist Norwegen, das EU-Kommissarin Vivian Reding bezüglich der gesetzlichen Frauenquote als Vorbild lobt. In Norwegen schrieb das Parlament im Jahr 2003 eine Frauenquote für Verwaltungsräte von 40 % vor, zunächst ohne Sanktionen. Damals gab es nur 9 % weibliche Verwaltungsräte, und da viele Unternehmen die Quote nicht umsetzen wollten, hat Norwegen ab 2006 Strafen eingeführt, wenn die Quote nicht erreicht wurde. Daraufhin stieg der Frauenanteil in Verwaltungsräten bis Anfang 2008 auf mehr als 40 %.

Sinkender Firmenwert
Die Finanzprofessoren Ahern und Dittmar der Universität Michigan stellten in ihrer Studie jedoch fest, dass gleichzeitig die Aktienkurse der Unternehmen sanken, die von dem Gesetz zur Frauenquote am stärksten betroffen waren. Die Studie erschien laut FAZ dieses Jahr im „Quarterly Journal of Economics.“ Demnach brachen die Aktienkurse besagter Unternehmen bereits am Tag der Gesetzesverkündung um 3,5 % gegenüber dem Gesamtmarkt ein. Auch auf lange Sicht belasteten die erzwungenen Wechsel im Verwaltungsrat die Unternehmen. Die Professoren berechneten den Firmenwert in der technischen Variablen „Tobins Q“ und stellten laut FAZ fest, dass der Tobins-Q-Wert um 12,4 % sank, wenn die Frauenquote in der Führungsspitze nur um 10 % erhöht werden musste. Laut Studie legen diese Ergebnisse nahe, dass „die vom Gesetz auferlegte Beschränkung einen großen negativen Effekt auf die Unternehmenswerte hatte, der proportional zu der massiven Umorganisation in den Verwaltungsräten durch die Frauenquote war.“

Ausweg Umfirmierung
Begründet sei das durch die Unerfahrenheit der neuen weiblichen Managementmitglieder. Sie seien im Schnitt acht Jahre jünger gewesen und wären zwar höher gebildet, hatten aber weniger bis gar keine Führungserfahrung, so die Professoren.

Ahern und Dittmar fanden weiter heraus, dass viele Unternehmen der Quote entgingen, indem sie ihre Rechtsform änderten. Bis 2009 sank die Zahl der Aktiengesellschaften in Norwegen unter 70 % des Standes vor Einführung der Frauenquote. Dagegen stieg die Zahl der kleineren privaten Aktiengesellschaften im selben Zeitraum um mehr als 30 % - diese norwegische Rechtsform entspricht ungefähr den deutschen GmbHs.

Fazit
Die FAZ kommt zu dem Schluss, dass die vielen verschiedenen Studien zu dem Thema nicht eindeutig klarmachen, ob die positiven oder die negativen Effekte einer Frauenquote überwiegen. Auch die empirischen Befunde fallen widersprüchlich aus. Sehen einige Studie positive Effekte durch mehr Unterschiede in den Führungsebenen, weisen andere Studien auf Konfliktpotenzial bei zu unterschiedlichen Führungsteams hin. Auch ein Forscherteam, das die Daten der Konzerne aus dem amerikanischen S&P-500-Index ausgewertet hat, konnte laut FAZ „keinen signifikanten positiven Kausalzusammenhang“ zwischen einem gemischten Führungsteam und guten Unternehmenszahlen feststellen. Die FAZ folgert: „Auf einen eindeutigen Befund der seriösen Wissenschaft kann sich die EU-Kommissarin somit nicht berufen.“

Stephanie Wente, Redaktion AnlegerPlus



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