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11. April 2018   Investment

Sparen wie die Norweger

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Seit seiner Gründung 1998 verwaltet Norwegens Staatsfonds die staatlichen Einnahmen des Königreichs aus der Ölförderung, um für die Zukunft vorzusorgen. Dabei setzen die Manager vorwiegend auf Aktien, verzichten aber auf Anlagen in Unternehmen aus der Waffen- und Tabakindustrie. Privatanleger können versuchen, über verschiedene Anlagevehikel die Strategie des Staatsfonds zu kopieren.

Das Ziel des größten Staatsfonds der Welt ist es, das Geld aus den norwegischen Erdöl- und Erdgaseinnahmen für die künftigen Generationen anzulegen. Also für die Zeiten, in denen die Öl- und Gasvorkommen zu Ende gegangen sind. Dann soll nach der Idee des Staatsfonds die Bevölkerung von den Erträgen des Fonds profitieren.

Rund 840 Mrd. Euro schwer ist der Fonds mit Stand 10. April 2018. Live verfolgen kann man die Entwicklung des Vermögens auf der Website des Fonds unter www.nbim.no. Umgelegt auf die ca. 5,3 Millionen Norweger entspricht das einem Vermögen von 158.000 Euro pro Kopf.

Rendite kann sich sehen lassen

Bei seiner Anlagestrategie, eine ordentliche Rendite mit möglichst wenig Risiko zu erzielen, setzt das Fondsmanagement auf drei Anlageklassen, ganz nach der KISS-Formel: Keep ist short and simple. Ende 2017 verteilten sich die Anlagen zu 66,6 % auf Aktien, 30,8 % auf Staats- und Unternehmensanleihen und 2,6 % wurden in Immobilien investiert. Mit dieser Diversifikation möchte man die Renditevorgabe des norwegischen Finanzministeriums von 4 % pro Jahr sicherstellen. Und dies ist seit Auflage des Fonds auch gelungen. Von 1998 bis Ende 2017 betrug die durchschnittliche jährliche Rendite des Staatsfonds 6,1 %. Nach Abzug von Managementkosten und Inflation blieben immer noch 4,2 %.

In den 20 Jahren seines Bestehens musste der Fonds nur vier Verlustjahre hinnehmen, den größten im Jahr 2008 mit einem Verlust von 23,31 % (2001: -2,47 % / 2002: -4,74 % / 2011: -2,54 %). 2017 betrug die Rendite 13,7 %, wobei Aktien 19,4 % beisteuerten, Anleihen knapp über 3 % und Immobilien 7,5 %.

Der Fonds ist also das „lebende“ Beispiel dafür, dass man mit einem langfristigen Anlagehorizont und einer breiten Streuung über verschiedene Anlageklassen hinweg eine auskömmliche Rendite erzielen kann. Apropos Streuung: Die Norweger investieren ihre „Petrodollars“ in ungefähr 9.000 Unternehmen verteilt auf 77 Länder. 36 % der Investments finden sich in Europa, 41 % in Nordamerika, 20 % in Asien und Ozeanien. Zu den größten Positionen im Fonds zählen die Aktien von Apple, Nestlé Royal Dutch Shell, Alphabet, Microsoft, Novartis und Amazon.

Nachbildung per ETF-Anlagen

Dieses Anlageuniversum ist unschlagbar und kann vom Privatanleger selbstredend nicht direkt nachgebildet werden. Aber über kombinierte ETF-Lösungen kommt man dem Gesamtbild schon durchaus recht nahe. Das sind unsere Vorschläge:

Aktieninvestments:

Mit einem ETF, der den MSCI-World-Index abbildet, investieren Anleger in 1.650 Aktien verteilt auf 23 Länder – von Europa über Nordamerika bis Australien. Zur Auswahl stehen dem Anleger mehrere ETF-Produkte, z. B. der Indexfonds Amundi MSCI World ETF (ISIN FR0010756098). Zu der „Weltauswahl“ sollte man dann werthaltige Aktien beimischen, denn der norwegische Staatsfonds hat vor allem etablierte, solide Unternehmen im Fokus. Hier könnte man einen Xtracker-ETF (ISIN IE00BL25JM42) wählen, der den MSCI World Value Factor Index abbildet, in dem Unternehmen enthalten sind, die eine hohe operative Rendite und eine solide Dividendenrendite erzielen. Selbstverständlich sind aber noch andere Value-ETFs verfügbar. Zur Abrundung des Aktienanteils bietet sich schließlich ein Nebenwerteinvestment an, quasi als Renditekick. Mit dem SPDR MSCI World Small Cap ETF (ISIN IE00BCBJG560) investieren Anleger beispielsweise in den MSCI-Welt-Nebenwerte-Index.

Fixed-Income-Investments:

Der Anleihepart teilt sich auf in Staatsbonds und Unternehmensanleihen. Auch hier stehen diverse ETF-Lösungen zur Auswahl. Der iShares Global Govt Bond ETF (ISIN IE00B3F81K65) setzt auf Anleihen der sieben führenden Industrienationen wie USA, Kanada, Deutschland oder Japan. Mit dem iShares Global Corporate Bond USD ETF (ISIN IE00B7J7TB45) investieren Privatanleger in die Wertentwicklung eines Index, der aus Unternehmensanleihen mit Investment-Grade-Rating von Emittenten aus Schwellen- und Industrieländern besteht.

Bleibt noch das Immobilieninvestment. Der Staatsfonds hat seine Gelder direkt in Immobilien investiert und nicht in handelbare Wertpapiere mit Immobilienbezug. Wer selbst schon Besitzer einer Immobilie ist, könnte sich also dieses Investment sparen. Wobei allerdings die Vermögensverteilung in aller Regel dann eine andere sein wird. Wer noch nicht in Immobilien investiert ist, kann sich diese Anlageklasse ebenfalls durch einen ETF ins Depot holen, wobei diese Lösung keine dem klassischen Immobilieninvestment vergleichbare Alternative ist, sondern diese eher einem Aktieninvestment entspricht. Ein global anlegender Immobilien-ETF ist zum Beispiel der Lyxor ETF FTSE E/N Global Developed (ISIN FR0010833574). Geeigneter, um die Anlageklasse Immobilien abzudecken, ist möglicherweise der Erwerb von Anteilen eines offenen Immobilienfonds, wie z. B. des Deka-ImmobilienGlobal (ISIN DE0007483612). Der Fonds beinhaltet ein Portfolio weltweit gestreuter Immobilien, wie beispielsweise das Objekt 15 William Street in Melbourne, den Torre de los Parques in Mexiko-Stadt oder das Chevron House in Singapur. Die Fondsanteile können direkt über die Börse gekauft werden.

Bei der Aufteilung des Vermögens auf die drei Anlageklassen kann sich der Anleger an der Vermögensaufteilung des norwegischen Staatsfonds orientieren. Sobald dieser seinen Jahresbericht veröffentlicht, müsste dann ggf. das eigene Portfolio an die aktuelle Aufstellung angepasst werden. Im Fachjargon nennt man dies „Rebalancing“. Damit soll die ursprünglich anvisierte Verteilung des Portfolios und damit auch das gewünschte Risiko-Rendite-Profil wiederhergestellt werden.

 

 

Thomas Müncher, Redaktion AnlegerPlus



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