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21. November 2017   Unternehmen

Verschwendung, Vetternwirtschaft, Manager-Verschleiß

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Die umstrittene Übernahme des Pharmaunternehmens STADA Arzneimittel AG (ISIN DE0007251803) durch die US-Investoren Bain Capital und Cinven endete im erbitterten Machtkampf zwischen Aufsichtsrat und Vorstand mit zahlreichen Rücktritten. Aber auch Verfehlungen früherer Topmanager kratzen am Image des einstigen Börsenlieblings.  

Die monatelange Übernahmeschlacht um eines der größten deutschen Pharmaunternehmen entschied sich im August 2017. Mit einem verbesserten Angebot knackten die US-Finanzinvestoren Bain und Cinven die Mindestschwelle von 63 %. Insgesamt kostete sie die Übernahme des im MDax notierten Konzerns 5,3 Mrd. Euro.

Noch im Juni waren die beiden Investoren mit einem Übernahmeversuch gescheitert, weil die nötige Annahmequote knapp verfehlt wurde. Die Übernahme ist umstritten, viele Ärzte und Apotheker unter den Aktionären sind dagegen. Auch etliche Hedgefonds hatten sich zurückgehalten. Sie hielten zuletzt die Hälfte der STADA-Anteile. Die neuen Eigentümer wollen mit dem Pharmakonzern international expandieren.

Gehaltsexzesse geduldet
Bereits die Hauptversammlung im August vergangenen Jahres verlief turbulent. Anleger warfen dem STADA-Aufsichtsrat Verschwendung und Begünstigung vor und stürzten den damaligen Vorsitzenden Martin Abend. Abend und sein damaliger Stellvertreter Carl Ferdinand Oetker hätten unter Ex-Vorstandschef Hartmut Retzlaff angeblich jahrelang „Gehaltsexzesse und Vetternwirtschaft“ geduldet, kritisierte vor allem der aktivistische Investor Active Ownership Capital (AOC), der 7 % der STADA-Aktien kontrolliert.

Laut „Bild“ soll Retzlaff einem Geschäftspartner einen Audi der Q-Modellreihe aus dem Firmenvermögen geschenkt haben. Deswegen kam es im Sommer 2016 zu einem Aufhebungsvertrag, der Retzlaff allerdings rund 10 Mio. Euro bescherte. Bis zu seinem Ausscheiden meldete sich der Pharmaboss dann krank. Derselbe Aufsichtsrat gab Retzlaffs Sohn Steffen zur selben Zeit einen äußerst lukrativen Anstellungsvertrag bei einer STADA-Tochter in Dubai. Der 34-Jährige soll ein Jahresgehalt von 484.211 Euro plus bis zu 250.000 Euro Bonus erhalten haben. An der Seite seines Vaters legte Retzlaff jr. bei STADA eine steile Karriere hin. Das neue Management will jetzt aufräumen und soll Steffen Retzlaff bereits freigestellt haben.

Schwerwiegende Pflichtverletzungen
Überraschend erhob nun auch der neue Aufsichtsratschef Oetker auf der diesjährigen Hauptversammlung schwere Vorwürfe gegen die früheren Firmenchefs Hartmut Retzlaff und Matthias Wiedenfels sowie Ex-Finanzvorstand Helmut Kraft. Wegen „belastbarer Hinweise auf schwerwiegende Pflichtverletzungen“ wollte der Aufsichtsrat sie nicht entlasten lassen. Diese wurde deshalb auf das Aktionärstreffen 2018 vertagt.

Oetker ging damit auf Konfrontationskurs zum damaligen Übergangschef Engelbert Willink. Denn Vorstand und Aufsichtsrat wollten eigentlich eine Entlastung erreichen. Allerdings gebe es neue Ermittlungen des Aufsichtsrats wegen Verstöße gegen Rechtsgrundsätze im Asiengeschäft sowie Beraterverträge ohne erkennbare Leistungen. Dadurch sei eine Zusammenarbeit mit Wiedenfels und Kraft nicht mehr möglich. Beide räumten auch im Juli 2017 ihre Posten. Der langjährige Firmenchef Retzlaff war bereits im Juni 2016 von aktivistischen Investoren aus dem Amt gedrängt worden.

Oetker gilt als Gegner der Übernahme und soll mit Vorstand Wiedenfels über Kreuz gelegen haben. Mit vier weiteren Kontrolleuren trat Oetker allerdings Ende September 2017 ebenfalls ab. Die neuen Eigentümer wollen jetzt eigene Vertreter in den Aufsichtsrat senden.

Lehrstück für schlechtes Management
Aktionärsvertreter kritisieren neben den Querelen das häufige Auswechseln der Topmanager und den Imageverlust für das traditionsreiche Unternehmen. „STADA ist ein Lehrstück für schlechte Unternehmensführung“, empört sich Winfried Mathes von der Dekabank auf der letzten Hauptversammlung. „Die Protagonisten führen eine Daily Soap mit dem Titel ‚Alle zusammen – jeder für sich‘ auf.“

Indes geht der Austausch der Spitzenmanager munter weiter. Im Oktober wurde der vierte Austausch an der Führungsspitze innerhalb gut eines Jahres vollzogen. Claudio Albrecht löste Übergangschef Willink vorzeitig ab. Doch auch er wechselt bald in eine „nicht-geschäftsführende Funktion im Konzern“, sobald ein langfristig geeigneter Vorstandsvorsitzender gefunden ist.

Mit dieser jüngeren Historie wäre die STADA AG ein geeigneter Kandidat für das Schwarzbuch Börse 2017 der SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger e.V. gewesen. Doch in das diesjährige Schwarzbuch Börse haben es dann doch andere Vertreter „geschafft“. Welche? Das lesen Sie in der kommenden Ausgabe AnlegerLand 2018, die am 16. Dezember erscheinen wird.

Thomas Müncher



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